Vorauszahlen oder Nachzahlen?

Immer wieder höre ich Leute, die sich sehr über eine (teilweise sehr hohe) Rückzahlung vom Finanzamt freuen. Aber haben Sie sich eigentlich schon mal darüber Gedanken gemacht, ob es auch sinnvoll ist, eine Rückzahlung vom Finanzamt – oder auch vom Energieversorger – zu erhalten oder doch lieber eine Nachzahlung zu leisten?

Rechnen wir das ganze doch mal an einem praktischen Beispiel anhand einer Rückzahlung vom Finanzamt in Höhe von 1.200,- € nach:

1. Vorauszahlung

Wenn Sie dem Finanzamt monatlich zuviel Geld geben, ist dies eine Vorauszahlung.

Sie bekommen nach Abgabe Ihrer Steuererklärung im Mai fürs Vorjahr  den Steuerbescheid und die Rückzahlung nach ca. 2-3 Monaten, also Juli oder August. Da es sich um eine Rückzahlung der Steuer aus dem Vorjahr handelt, gehen wir vereinfachend davon aus, dass sich die 1.200,- € Rückzahlung gleichmäßig auf die Monate verteilen und somit 100,- € monatlich wären.

Ergebnis: 1.200,- € ca. im August des nachfolgenden Jahres.

2. Nachzahlung

Durch den Eintrag von Freibeträgen auf der Lohnsteuerkarte (bzw. deren Nachfolger) zahlen Sie weniger Steuern ans Finanzamt. Sie haben damit im Beispiel jeden Monat 100,- € mehr auf dem Konto.

Nach Bearbeitung Ihrer Steuererklärung fürs Vorjahr erhalten Sie im Juli oder August Ihren Steuerbescheid. Sie haben durch die Einträge auf der Lohnsteuerkarte bereits die korrekte Steuer ans Finanzamt gezahlt und bekommen keine Erstattung – müssen aber auch keine Nachzahlung leisten.

Ergebnis: 100,- € sofort jedes Monat.

Fazit

Es zeigt sich, dass – jedenfalls aus meiner Sichtweise – das Ergebnis unter 2. eigentlich schon auf den ersten Blick das Bessere ist.

Weitergerechnet könnte man natürlich noch einen Schritt weiter gehen und – z. B. weil vorerst unsicher ist, dass bereits der korrekte Steuerbetrag abgezogen ist – die 100,- € monatlich „auf die Seite legen“ und beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto parken. Bei einem Zinssatz von derzeit 2,5 % auf das angelegte Geld wäre der Betrag im August des nächsten Jahres bereits um 36,25 € gewachsen.

Dieses Vorgehen läßt sich natürlich auch auf Ihren Versorger für Strom, Gas und/oder Wasser anwenden. Wichtig ist aber hier – da es hier sehr wahrscheinlich zu einer Nachzahlung kommen wird – dass Sie das „gesparte“ Geld (was Ihnen monatlich vorerst mehr bleibt) wirklich auf ein „Park“-Konto legen und für sich arbeiten lassen. Die Zinsen sind dann Ihr „Verdienst“.

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